Geschichte der Wustele - Geister Schenkenzell
                                                                                2017
Östlich von Schenkenzell öffnet sich ein kurzes, steiles Waldtal, der Grubersgrund. In dessen oberem Teil der Wustele-Geist, der Volksmund nennt ihn kurz Wustele, seinen Umgang hat. Bald macht er sich nachts auf Matten und Feldern unliebsam bemerkbar, bald ist er auf dem Kegelriss, bald im Schornwald  anzutreffen, überall gefürchtet und gemieden. Warum er eigentlich geistert, weiss heute niemand mehr. Aber er muss in seinem Erdenleben ein grober und ungeschlachter Geselle gewesen sein. Ändel und Raufen bildeten  seinen Lebensinhalt und als Geist führt er den selben Wandel. Aus diesem Grund trägt er auch den Namen Wustele. Mit Poltern, Spektakeln und Stockhieben treibt er die Leute, die in seinen Bann geraten, das Tälchen hinaus, oder er führt sie im Wald so kreuz und quer, dass sie in selbiger Nacht nimmer nach Hause finden. Die Bauersleute, welche das Gebaren dieses Nachtschrecks zur Genüge kennen, meiden deshalb die Gegend seines mitternächtigen Umgangs. Die Wustele-Geister und wie alles begann.... Es war einmal inmitten des Schwarzwalds im kleinen Örtchen Schenkenzell, da trafen sich 1996 neun Jugendliche, die nur einen Wunsch hatten: ein Fasnethäs. Was liegt also näher, als ein neues, eigenes Fasnachtsgeschöpf zu schaffen. Wie sollte es jedoch aussehen? Hexen gab es in Schenkenzell bereits genügend und vielleicht könnte man eine Sage aus der Gegend als Vorlage für die Figur nehmen. Nach langem Suchen in uralten, verstaubten Sagenbächer wurde der Schenkenzeller Wustele-Geist geboren. Das selbstentworfene Häs verkörpert das grobe, urtümliche Wesen dieses gemiedenen Waldbewohners. Es besteht aussschliesslich aus Naturmaterialien. So trägt der Wustele einen braunen Kapuzenkittel mit einem Rehfell auf den Rücken und eine weite, schwarze Hose. Die Rohheit des unheimlichen Gesellen kommt in der derben, faltigen Holzmaske zum Ausdruck, welche von langen, verwilderten Pferdehaaren umrandet wird. Für die gefürchteten Raufereien des Wustele darf natürlich der mannshohe, gegabelte Stock nicht fehlen. Mittlerweile sind die Wustele-Geister das Fasnetshäs des Narrenvereins Schenkenzell-Kaltbrunn e.V. Die Gruppe, die als Fasnetsidee von ein paar Jugendlichen begann, ist heute ein aktiver Teil der Gemeinde und aus dem Fasnetsgeschen in und um Schenkenzell nicht mehr wegzudenken.